Gameing

Kunst, Technik und ihre Verschmelzung / im Prinzip ein offener Liebesbrief

am by Establishmensch in Allgemein, Gameing, Kunst | 5 Kommentare

oha, was sehen sie hier?!

Hi Freunde!

Guten Sommer gehabt soweit? Nun, das ist lediglich eine rhetorische Frage, denn ich könnt die Antwort ja sowieso nicht hören, wenn du sie in deinen Monitor/Tablet/Handyscreen quatscht. Mein Sommer war bis hier jedenfalls bärenstark. War ein bisschen auf diversen Inseln, viel Schwimmen, Festivals, dies das. Bisschen Arbeit, paar Auftritte, meine neue Kurzgeschichten-Sammlung fertig gemacht und ihr den Titel „Boulettenbetty hatte Geburtstag“ verpasst (kommt erst im Oktober, später dazu dann mal hier mehr) und sonst halt entspannt und so. Aber darüber wollte ich gar nicht reden. So sind Sommer ja irgendwie immer. Ich wollte eigentlich über drei Sachen schreiben, in einer bestimmten, nicht chronologischen Reihenfolge. Dinge, die ich besonders schön fand / finde.

Zuerst möchte ich über das aktuellste Schreiben. Eine Sache, die ich heute zu einer Art Abschluss gebracht habe. Es ist so, dass ich vor etwa zwei Monaten gefragt wurde, ob bei einer Kunstausstellung im Münsteraner Bahnhofsviertel mitmachen wolle. Das Konzept sah vor, 10 Künstler*Innen an 10 Orten für 10 Tage etwas ausstellen zu lassen. Richtig mit Materialbudget und alles, was in der bildenden Kunst ja leider gar nicht mal so üblich ist (von den 0,3% der Star-Künstler*Innen mal abgesehen). Natürlich sagte ich sofort zu, allerdings nur mit der Zusicherung, dass ich als Ausstellungsort den Hamburger Tunnel haben könne. Für die Nicht-Münsteraner*Innen, die hier laut google analytics deutlich in der Überzahl sind: Die Vorderseite des MS HBF’s ist derzeit gesperrt, sodass eigentlich jeder Mensch, der nicht ohnehin von Hinten an den BHF kommt, durch diesen Tunnel durch muß. Man sagte mir zu und ich dachte mir Gönnung! 

Der Tunnel ist halt voll der Rush-Ort. Ständig rempeln Leute gegeneinander, niemand wird da zu Stoßzeiten Zeit haben, sich Kunst anzuschauen. Kunst aber sollte irgendwie eine Hängematte sein, in die man sich fallen lassen kann. Deswegen dachte ich: Geil. Mach doch ne Hängematte, die so hoch hängt, dass keiner rein kommt! Das war der erste Gedanke. Dann dachte ich aber auch, dass ich nicht einfach so eine krasse Fläche haben kann, ohne sie sinnstiftend/politisch zu nutzen, vor allem am Bahnhof, wo ich einmal eine unangemeldete spontan-Kunst wieder wegräumen musste. (Das ist super-lange her, damals, als die Rauchervierecke eingeführt wurden. Der Artikel stand auf meiner alten, leider verlorenen Homepage, aber die wayback-machine hat sie gespeichert, muss man ein bisschen runterscrollen bis zum 15.02.2008)

Da ich die Hängematte als Symbol für fehlende Zeit zur Muße allerdings lassen wollte, habe ich überlegt, wie ich das ganze erweitern kann, und da Hörspiel sowieso eines meiner Lieblings-Medien ist, war das relativ schnell klar. Und ein solches hab ich jetzt produziert. Bevor ich jetzt en Detail beschreibe, was genau in dieser Hörpsiel-Collage genau passiert, spendiere ich sie hier einfach mal zum Anhören:

 

 

Dieses Ding wird jetzt ab Freitag, den 2. September 16 Uhr für 10 Tage in Endlosschleife im Bahnhofstunnel zu hören sein. In einer Lautstärke, die es in der Rush-Hour wegen des vorherrschenden Lärmpegels auf jeden Fall schwer macht, zuzuhören, denn so ist das halt mit beiden Dingen: Dem Denken und dem Reflektieren, für beides ist immer schwer Zeit. Für die, die es nicht gehört haben: Es geht im Weitesten um unbegründete Ängste, zweierlei Maß, Religion, Gaming, Hexenjagd, Aufklärung und Hyänen. Im Vorfeld wollten die Veranstalter einen Skizze vom Projekt von mir haben, um sie in ihre sehr gelungene Zeitung zur Ausstellung zu packen. Darüber hinaus noch eine kurz-Vita. Hier ist jetzt mal die Seite in der Zeitung über mich. Ich kann solche Dinge halt einfach nicht ernst nehmen. Klar, die Arbeit/das Hörspiel ist ernst, aber ich möchte es halt immer als Spiel sehen. Sonst würde es mir keinen Spaß machen – und dann würde ich es sein lassen.

 

Standpflasterzeitung

 

Heute jedenfalls hab ich die Hängematte schon mal aufgehangen, damit ich Freitag zur offiziellen Eröffnung nur noch den Sound anmachen muss. Hier ein Paar Bilder vom Entstehungsprozess:

 

matte1

 

matte2

 

matte3

 

So… Ich muss kurz anmerken, dass ich das da oben alles am Dienstag geschrieben habe, dann aber nach Hamburg musste. Jetzt ist Samstag, die Ausstellung ist eröffnet und ich bin zufrieden.

Und da wollte ich gerade weiterschreiben, da musste ich auch schon wieder weg. Jetzt ist Montag und ich versuche das hier mal zu einem Ende zu bringen. Nehmen wir die Sache mit der Hängematte jetzt erstmal als abgeschlossen hin und kommen zu Punkt zwei der Dinge, über die ich schreiben wollte. Ich habe mir nämlich einen neuen PC zusammengebaut. Zunächst die Liste der Ingredienzien, die ich in den Zaubertopf warf, um aus diesem heraus das Baby zu gebären:

  • Mainboard: Asus ROG Maximus VIII Impact (ja, ich dachte mini-ITX wär mal was…)
  • CPU: Intel i7 6700k, Wassergekühlt mit einer Corsair Hydro H105
  • RAM: 16 GB DDR4 (hatte versehentlich DDR3 Speicher im digitalen Einkaufswagen, versuch mal im Einzelhandel DDR4 zu finden, nahezu unmöglich…)
  • GPU: Inno3D GeForce GTX 1080 iChill X3
  • 500GB Samsung SSD + 1TB noname-HDD
  • Silverstone Strider 750W Netzteil (modular + kurzes Kabelset)
  • Lüfter: 5 verschiedene Noctua (regelbar)
  • Gehäuse: BitPhenix Prodigy ITX
  • Monitor: Dell S2716 DG

Ich kenne das noch so von früher (also so irgendwas von vor 16-5 Jahren): Wie oft war man auf den einschlägigen Hardware-Versand-Seiten und hat immer rumgeschaut und irgendwas zusammengeklickt… Wenn man dann nach einer Stunde fertig war und dann den Preis gesehen hat, hat man kurz gelacht, sich dann übergeben und ein bisschen geheult und zwei Tage später wieder eine Zusammenstellung gemacht. Und repeat. Und repeat. Bis man dann irgendwann eine wesentlich günstigere Variante tatsächlich gekauft hat. Dieses Mal war es anders. Ich habe alles zusammengeklickt, habe dann ein bisschen gelacht, aber dann, anstatt zu kotzen und zu heulen – habe ich einfach auf bestellen geklickt. War dieses Mal aber auch besser recherchiert. Die Lüfter zum Beispiel. Früher habe ich mir nie vor dem Zusammenstellen Zeit genommen, um mir über die richtigen Lüfter Gedenken zu machen. Die waren in meinem Kopf immer nur unnützes Beiwerk. Außerdem: Passt eine 32cm lange, 2,5 Slot breite GTX 1080 in ein mini-ITX-Gehäuse?! Hier mal die optische Antwort:

 

compi1

 

Ja, sie passt. Sie hat sogar noch 2 ganze Millimeter platz zur Seitenwand, die genau an der Stelle der Lüfter perforiert ist. Nun könnte einer sagen: hu, das ist ganz schön wenig Platz um da Luft raus zu pusten! Aber dann sage ich: Die Lüfter der Grafikkarte pusten nicht, sie saugen. Und die warme Luft geht dann zum Teil nach hinten raus, zum Teil bleibt sie im Gehäuse, wo sie aber auch nie lange bleiben wird. Vorne habe ich zwei Lüfter angebracht, die, sobald es innen warm wird, anfangen, vorne zu saugen. Hinten und Oben (wo auch die Kühlrippen der WaKü sind) wird rausgepustet. Airflow läuft perfekt. Hier noch ein Computer-Porn-Bild:

 

comporn

 

Hier sehen wir den begeisterten Mit-Computer-Bauern R., der meinem neuen Baby während der „Grundschaulausbildung“ unter den Rock schaut. Quasi das erste Hochfahren, die Deforation der Festplatten,…

Nun aber höre ich die Stimmen, die da rufen: „Aber Andreas Amadeus Güntibald Strausewizt! Was hat das denn mit deiner Arbeit zu tun?“ Nun,… ungefähr alles. Ich bin ohne einen guten Computer überhaupt nicht denkbar. Klar, Dinge wie Videoschnitt und Soundbearbeitung gehören zu den Dingen, die ich ständig mache, aber die meine ich gar nicht. Für mich gehört Zocken genau so zum kreativen Weiterbildungsprozess wie das Lesen eines Buches. Es ist gleichzeitig Ruhepol wie auch Stimulation. Was mich nun auch zum letzten Punkt der Dinge, die ich sehr schön fand, bringt:

Und zwar hatte ich jüngst einen Auftritt bei Rocket Beans TV, und zwar in der Abendsendung „Bohn Jour„. Zuerst sang ich dort meinen thematisch zu den Bohnen passenden Song „knabber die Bohne.“ Hernach las ich eine Geschichte aus „friss Chaos, Ordnung“ vor und blieb dann noch ein bisschen Talk (Video hier, knabber die Bohne in Teil 1). Danach blieb ich noch im Studio und zockte in der Sendung #Jugendzimmer ein bisschen Micro Machines V3 (eines meiner alten Leib- und Magenspiele für die PS1) und gewann im Team mit Etienne gegen die restlichen 4 Mitspieler. Nun, was soll ich sagen? Ich habe mich selten so sehr zuhause gefühlt. Mir gefiel dieser Trupp aus Leuten mit tatsächlich sehr ähnlichen Lebensanschauungen und einem chaotisch-kreativem Umfeld so gut, dass ich, als ich am nächsten Tag aufwachte, ein bisschen dieses „Verliebt sein„-Gefühl in mir hatte. Was hat dieser Sender doch für ein Potential. Mich erinnerte das alles ein bisschen an meinen großen Helden Schlingensief, dieses „einfach machen“. Jetzt habe ich eine ganze Weile gewartet um zu gucken, ob das nur ein kurzes Verknallen war oder ob sich das irgendwie festsetzen würde. Und ja, das hat es getan. All das bedeutet für mich, dass ich gerne eine Bohne wäre. Wirklich, wirklich gerne. Das Problem ist, dass ich absolut keine Bewerbungen schreiben kann. Ich habe in meinem Leben genau zwei Stück geschrieben. Die erste war, als ich am Anfang meines Studiums bei EB-Games in Münster arbeiten wollte. Das hatte damals nicht geklappt, die Typen in dem Laden waren bornierte Wichser nicht so cool. Die zweite Bewerbung ging an das DUMMY magazine. Damals durfte ich dann für die Schreiben, aber auch nur weil ich meine Bewerbung mit „Ey ihr Opfer in der Redaktion“ eröffnet hatte und sie mit Schreibmaschine auf 60 Jahre altes Papier getippt war.

Aber wie soll ich mich bei Rocket Beans bewerben? Und als was? Ich weiß es nicht. Vielleicht probiere ich es mit einer Art „offenem Liebensbrief“ auf meiner Homepage. Also mit diesem hier. Bitte bitte, meldet euch bei mir.

<3

Andy

 

Hoffnung auf Dreidimensionalität is real!

am by Establishmensch in Allgemein, Gameing | 2 Kommentare

3dkucken

Früher, als ich in den Kindergarten ging, gehörte ich zu den dubiosen Kindern, die jeden Tag ein Auge zugeklebt hatten, weil ich nämlich superkrass geschielt habe. Und mit superkrass meine ich: SUPERKRASS. Mein rechtes Auge hatte nämlich einfach nie Bock gehabt, überhaupt irgendwo hin zu kucken, weil mein linkes gut genug funktioniert hat. Durch das Zukleben hat mein rechtes Auge dann aber auch mal gelernt, dass es sich ein bisschen anzustrengen hat, weswegen es jetzt eigentlich ziemlich synchron aussieht. Klar, oft sieht man noch, das mein eines Auge dann und wann einfach ein bisschen zufällt, weil es denkt: „och nöö, ich bin müde, ich geh chillen“, aber eigentlich sieht es ganz okay aus. Technisch aber benutzt mein Gehirn fast immer nur das Bild, welches es von meinem linken Auge geliefert bekommt. Wenn sich rechts von mir irgendwas bewegt, dann nimmt mein Gehirn das zwar war, schaut dann aber mit dem guten Auge hin um zu sehen, was da los ist. Wenn ich mein gutes Auge zuhalte, dann sehe ich  zwar unter Anstrengung alles, kann es aber nicht wirklich verstehen. Wenn ich zum Beispiel versuche, mit rechts zu lesen, dann verstehe ich die Buchstaben nicht, es ist alles unfokussiert, als würden die Buchstaben durch die Gegend tanzen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, mit dem rechten Auge Legastheniker zu sein.

Durch diesen Umstand ergibt sich, dass ich natürlich in meinem ganzen Leben noch nie etwas in 3D gesehen habe, weil man dafür Stereo kucken können muss. An dieses „Das magische Auge“-Büchern bin ich immer hervorragend gescheitert, ansonsten hatte ich nie wirklich das Gefühl, groß was zu verpassen, da das Gehirn sich ja trotzdem ausrechnet, wie weit Dinge entfernt sind und so weiter. Oft kam es in meinem Leben auch zu sehr witzigen Mindfucks. 2007 saß ich zum Beispiel auf einer Mauer in Münster, wo grad die eine riesige Ausstellung von Kunst im öffentlichen Raum stattfand (Skulptur Projekte 2007). Ich blickte auf den Platz hinter der Überwasserkirche, wo eine Künstlerin sehr viele Puppen und so nen Quatsch hin drapiert hatte, fand das an sich ganz in Ordnung, aber richtig krass fand ich: Einen gigantischen, lilafarbenen Fahnenmast mit einer riesigen, starren, ebenfalls lilafarbenen  Dreiecksfahne mit einem überdimensionierten, organfarbenen Reflektor dran. „Muss man erstmal drauf komme“ und „wie geil diese Fahne ist“ dachte ich und schleckte weiter an meinem Eis, als plötzlich die Fahne zur Seite wanderte. Grund dafür: Ein Kind schob sein Fahrrad weg, welches genau vor mir stand und an dem diese Fahne befestig war. Es war also in echt gar keine riesige Fahne, sondern eine ganz kleine, die ich dank meiner Sicht halt nur falsch wahrgenommen habe. Öfters habe ich auch schon Personen im Publikum gesehen die gar nicht da waren sondern lediglich Drucke auf T-Shirs waren und so weiter.

Nun, ich bin jedenfalls immer davon ausgegangen, dass man da nichts machen kann, das ich einfach mein Leben lang in dieser optischen 2D-Welt rumlaufe. Natürlich hat es mich interessiert, wie so 3D-Kucken wohl ist, aber lass dir das mal von jemandem Beschreiben, geht nicht. Vor ein Paar Tagen hat mir dann mein alter Freund Tom einen Link geschickt. Ich klick drauf, lese durch was da steht und bäm! Ich: Megaaufgeregt! Es gibt eine Therapie, die es schafft, dem Gehirn beizubringen, beide Augen ordentlich zu synchronisieren! Und das Beste: Man muss dafür nur mit Oculust Rift extra für die Therapie entwickelte Spiele spielen! Hier ist der Link zur Entwicklerbande. Das ganze ist bisher nur in den USA zu erhalten, aber ich habe bereits Kontakt mit den Leuten von Vivid Vision aufgenommen um zu gucken, wie man den Shit nice nach Deutschland holen kann. Ich bin so neugierig auf eine dreidimensionale Welt, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Wenn es da Neues gibt, werde ich hier auf jeden Fall darüber auf den neusten Stand halten. Gottogottogott…

Ansonsten noch kurz ein kurzer Newsflash von anderen Dingen aus meinem Leben.

1. Hab ne Band mit Tino Bomelino gegründet. Eigentlich sind wir ein freies Theaterkollekitv. Jedenfalls basteln wir zusammen unter dem Namen Sumo Antriebslos an Dingen. Dieses hier haben wir, als wir jüngtst Bandcamp abgehalten hatten, kurz gemacht um zu kucken, ob wir zusammen funktionieren. Es ist ein bisschen eine Antwort an Mias, den „Andy Strauß“-Beleidiger und ein Produktvideo für Pralinen, Fischer und anderes:

 

2. Hab ich gestern überlegt, wie man AfD eigentlich ausspricht und ein How to pronounce-Video gemacht, auch wenn ich das auf deutsch eigentlich nicht mag:

Und ein kurzer Remider: Morgen ist meine erste Internetsprechstunde -> siehe vergangener Post.

Soviel erstmal.

High Five und gute Sicht,

Andy

 

Life-Hack gegen Autolangeweile

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headautobahn

Kurz ein Danke vorweg. Nämlich für dieses Wochenende. Nicht nur, dass ich zwei unglaublich schöne Auftritte machen konnte (1. Moderation als Pilot auf einem Boot über dem Aa-See, Presseberichte hier und hier und 2. eine richtig schöne Lesung vor 270 fantastischen Leuten in einem Spiegelzelt in Siegen), viel wichtiger für mein Wohlbefinden ist, das an Münster gerade das anders ist, was ich am meisten bemängele: Die Abwesenheit von mir wichtigen Leuten, die irgendwann aus Münster weg gezogen sind. Davon waren nämlich an diesem Wochenende viele in Münster, einige sind immer noch da und essen gerade Frühstück auf meinem Sofa. Danke Welt für diesen Umstand. Ich werde die noch verbliebenen Leute einfach anketten.

Im letzten Artikel habe ich ja geschrieben, wie ich mir Zugfahrten vertreibe. Da ich im Moment aber meistens mit der Karre unterwegs bin und auch dabei gerne spiele, erkläre ich das Autofahrspiel, welches ich mir ausgedacht habe und dem ich derzeit fröne. Ich nenne es Drum-and-Bass-Hero. Es ist eine Art Real-Life-Guitar-Hero, auch wenn das irgendwie schwachsinnig klingt, denn eigentlich ist das Spielen einer Gitarre das echte Real-Life-Guitar-Hero. Meine Autofahrversion jedenfalls funktioniert so:

Zuerst macht man ein Musikstück der Wahl an. Dann konzentriert man sich auf die Schlagzahl des Liedes (BPM) und versucht so zu fahren, dass mit jedem Schlag ein weißer Streifen der Leitlinie unter dem Auto verschwindet. Da ich gerne schnell fahre und deswegen auf Drum-and-Bass angewiesen bin, habe das Spiel danach benannt. Die Zeit jedenfalls vergeht dabei wie im Flug.

Das war mein Beitrag. Für alle, die denken, dass Mathe ein Arschloch sei, ist der Beitrag hier vorbei. Für alle anderen gibt es noch einen kleinen mathematischen Exkurs zu Liedern und den Geschwindigkeiten, die man dazu fahren muss.

Also:

Ein Streifen ist 6 Meter lang, dann gibt es einen Abstand von 12 Meter. Insgesamt verschwindet also alle 18 Meter ein Streifen unter dem Auto.

Nehmen wir jetzt einen Standard-Pop Song mit 120BPM , dann wollen wir in einer Minute 120 Mal 18 Meter, also 2160 Meter pro Minute. Hochgerechnet auf eine Stunde muss man also  129600 Meter pro Stunde, also 129,6 kmh Fahren.

Jede andere Geschwindigkeit errechnen wir also mit der Formel BPM*18*60/1000 oder gekürztBPM*1,08=Zielgeschwindigkeit

Wenn man also Cheaten und seinen Tempomat auf 190 stellen, muss man genügend Songs mit 175,9 BPM finden, also circa die Mitte der D’n’B-Range, die sich irgendwo zwischen 160 und 190 BPM bewegt.

Als LKW-Fahrer lässt es sich übrigens ganz gut mit HipHop und seinen üblichen 80-100 BPM spielen.

Gute Fahrt!

 

Dont cry for me, Arschsau

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ffheadAnd now for something ganz anderes…

Wenn man seinen Lebensunterhalt zum Großteil als Reisepoet bestreit, dann kommt es häufig vor, dass man Strecken abreißt, die logistisch völlig hanebüchen sind. Zum Beispiel dieses: Gestern hatte ich einen Auftritt in der Schauburg in Dresden, ohne vorher einen Auftritt in der Nähe gehabt zu haben und heute Abend darf ich in Münster eine wundervolle Bootsfahrt als Stewardess und Pilot begleiten. Da der Auftritt in Dresden ein Slam-Auftritt war, bei dem ich zwei Mal lesen konnte, bin ich für 12 Minuten Zeit auf der Bühne insgesamt 13 Stunden Netto + 1 Stunde Verspätung = 14 Stunden Brutto mit dem Zug unterwegs gewesen. 14 Stunden sind eine Lange Zeit.

Natürlich kann man in dieser Zeit schön was lesen, aber wenn man gerade keine gute Lektüre hat, dann reicht die Tageszeitung vielleicht gerade mal für 1 Stunde pro Strecke. Und da ein großer Teil meiner Erziehung von einem ATARI 2600, einem Commodore C64, einem Gameboy, einem NES einem SNES, einer Playstation 1, einer Playstation 2 und mehreren Computern übernommen wurde, spiele ich logischerweise Computerspiele.

Die letzten drei Monate war ich diesbezüglich auch sehr gut beschäftigt, denn ich spielte ein Spiel mit dem unglaublich dämlichen Titel »10000000« (in Worten »zehn Millionen«). Das Spiel gab es irgendwann einen Tag lang umsonst in einem Drittanbieter-Appstore und hielt mich ziemlich gefesselt. Es handelt sich bei dem Spiel um eines von den vielen, in dem man ein Spielfeld hat, auf dem man durch Schieben mindestens drei gleiche Symbole in eine Reihe bringen muss, damit diese verschwinden und so weiter. Der Clou an 10000000 aber ist, dass es gleichzeitig ein Adventure-Game ist, denn oben im Bildschirmrand rennt ein Typ durch die Gegend und Trifft auf Zombies, Drachen, Mumien, Türen und Schatzkisten. Trifft man auf eines dieser Dinge muss man bei Gegnern Waffen in die richtige Reihe bringen um den Gegner zu verkloppen oder Schlüssel, um Truhen zu öffnen. Dann muss man noch mit Schildern seine Rüstung in Ordnung halten und Ressourcen sowie Erfahrung sammeln, um bessere Waffen, derbere Moves und den üblichen Klimbim freizuschalten, dazu gibt es wunderschöne Pixelgrafik und eingängige 8-Bit-Mukke. Eigentlich beginnt das Spiel wie der Film »The Cube«, nur ganz anders. Ein Typ wacht in einem Verließ in einem Bett auf. Natürlich hat man keinen Plan, warum. In diesem Verließ sind viele Türen, die sich erst im späteren Verlauf betreten kann (wenn man genügend Ressourcen gesammelt hat) und dann noch eine Tür in den Dungeon, wo sich das eigentliche, oben beschriebene Spiel befindet, also das, wo man die Symbole schiebt. Eine Runde im Dungeon endet, wenn man die Gegnerz nicht schnell genug weggekloppt bekommt oder zu lange eine Schatztruhe nicht aufbekommt. Dabei sammelt man Punkte für Zeit, die man überlebt, für besiegte Unholde und so. Jedenfalls ist es das Ziel des Spieles, einen Lauf durch den Kerker zu machen und damit mehr als 10000000 Punkte zu erreichen um wieder in die Freiheit zu kommen.

Als alter »3-in-a-Row-Game-Profi« hab ich das natürlich am ersten Tag geschafft. Dann aber habe ich meinem Homie Tom (der mir das Spiel empfohlen hatte) geschrieben, wer wohl zuerst die 30000000 schafft und naja, Tom meinte dann: unmöglich. Herausforderung genug. Letzte Woche habe ich es jedenfalls geschafft. Beweis:

highscore

Nun ja, jetzt ist das Spiel für mich aber auch durch für mich. Da ich aber eine Aufgabe für den Zug brauchte, shoppte ich mir bei Steam ein aktuelles Re-Release eines meiner Lieblingsspiele, nämlich Final Fantasy VII. Als ich es damals Ende der Neunziger auf Playstation spielte, verbrachte ich mindestens 100 Stunden damit, jeden Quadratzentimeter Spielwelt zu durchforsten. Die Story ist aber auch einfach zu episch: Sie beginnt damit, dass man mit einer kleiner Gruppe Umweltterroristen einen Reaktor sprengt, welcher dem Planeten die Mako-Energie aussaugt. Man kämpft gegen einen übermächtigen Konzern namens Shinra, hat blonde, superstruppige Haare und ein riesiges Schwert. Ich möchte hier gar nicht mehr so viel über das Spiel an sich schreiben, denn mir ist aufgefallen, wie viel ich da oben gerade über ein so wenig komplexes Spiel wie 10000000 geschrieben habe. Würde ich das mit Final Fantasy VII genauso machen, könnte ich noch zwei Wochen weiterschreiben, weswegen ich mich auf den Hauptpunkt beschränke:

Was Final Fantasy VII für mich so besonders gemacht hat, ist, dass es das erste (und ich glaube auch: letzte) Spiel war, dass mich wirklich ganz bitterlich zum Heulen gebracht hat. Dazu muss man wissen, dass ich den Helden, der eigentlich Cloud heißt, damals selbstverständlich Andy genannt habe und dass ich eine der weiblichen Protagonistinnen nach meiner damaligen Traumfrau benannt hatte (den Namen schreibe ich jetzt nicht). Irgendwann im Laufe der superspannenden Geschichte, wenn einem die Spielfiguren schon so richtig hart ans Herz gewachsen sind, stirbt eben jene! Was habe ich geheult!

Als ich jetzt gestern im Zug mit der PC-Version angefangen habe, habe ich den Helden wieder Andy genannt. Logisch. Um dem emotionalen Zusammenbruch dieses Mal vorzubeugen, habe ich das Blumenmädchen aber nicht nach meinem (BRAVOspeech) SCHWARM (/BRAVOspeech) benannt.

blumenmaedchen

Ich hoffe, dass ich nicht heulen muss, wenn Arschsau stirbt.