Probebohrer / Nette Cops / Schönes Bild

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Ahoi meine lieben, ge_gender_gap_ten Pirat_Innen!

Gestern sagte mir ein freundlicher Mensch, dass er immer auf meiner Seite lese, wenn er schlechte Laune habe um diese verfliegen zu lassen. Da mich die Freude darüber auch heut morgen noch antrieb, möchte ich nun direkt etwas Neues veröffentlichen.

Zu allererst habe ich ein kleines Hörgeschenk. Ich habe da nämlich am Dienstag diese Geschichte geschrieben, die ich eigentlich für meine Dortmunder/Kölner Lesebühne LMBN angefertigt habe. Als ich sie mir dann aber nochmal laut vorlas, hielt ich die Bühne nicht für eine solche Geschichte geeignet. Zum einen ist die Geschichte meines Erachtens zum öffentlichen Vorlesen bei einer Randale-Bühne, wie sie LMBN zum Glück nun mal ist, für zu lang und außerdem… naja, sie ist nicht so bühnentauglich. Dennoch möchte ich diese Geschichte vor- und nicht selbstgelesen wissen, irgendwie vom Gefühl her, weswegen ich sie gerade flugs eingelesen und bei Soundcloud hochgeladen habe. Wenn du also gerade zehn Minuten Hörzeit hast, dann: Tadaa! Ansonsten mach sie dir vielleicht heute Abend zum einschlafen an. Bittesehr.

Dann muss ich gerade mal die Dortmunder Polizei lobend erwähnen, um ein kleines Gleichgewicht wiederherzustellen, denn eigentlich kommt die Exekutive hier ja meist nicht so gut wech. Wenn se aber mal was gutes gemacht haben, dann sollte man das ja auch sagen dürfen. Diesen Zettel fand ich nämlich gestern Mittag in einem dieser Halteverbotsbeutel unter meinem Scheibenwischer:

copmitteilung

Bei anderen kommt die Polizei nach hause um die Tür aufzubrechen, zu mir kommt die Polizei um meine Autotür zu schließen. Ich bin sehr froh und verbuchte das Geschehnis unter: Zum Glück war ich nicht persönlich anwesend, sonst wäre das anders ausgegangen.

Dann möchte ich noch ein schönes Bild zeigen, welches Liesa Balzer für ein Abschlussarbeits-Magazin namens “Ausreißer” von mir gebastelt hat. Auf diesem Bild stehe ich im Wald und es läutet in dem Magazin ein Interview mit mir ein. Hier ist es:

collage

So. Jetzt werde ich duschen gehen und niemand kann mich davon abhalten!

Liebe!

an die digitale Leserschaft

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digitalkopf1000 1 1100 1100 1111 liebe Besuchsperson!

Da es in diesem kurzen Beitrag um digitale Leserschaft geht, habe ich es mir herausgenommen, binär zu grüßen. Für alle anderen übersetze ich die Zahlenreihe noch kurz ins vernünftige, nämlich HALLO {[( 1000 = 2^3 = 8 = H, 1 = 2^0 = 1 = A, (1100 =  2^2 + 2^3 = 12 = L)*2, 1111 = 2^0+2^1+2^2+2^3 =  15 = 0) = HALLO ] danke an Dirk Ellée, meinem ehemaligen Informatiklehrer, der mir das im Jahre 1999 so beibrachte, dass ich es immer noch kann}.

Gestern erhielt ich die Jahresabrechnung über die Verkäufe meiner im uBooks-Verlag erschienen Bücher im vergangenen Jahr (also Albträumer und Establishmensch). Dabei stellte ich erstaunt fest, dass davon insgesamt mehr eBooks als Papierbücher über den Ladentisch gewandert sind.

Nun kann man sich hin und her über die Vor- und Nachteile von Buch VS eBook unterhalten. Waldsterben auf der einen, Buchhandlungssterben auf der anderen Seite und so weiter und so fort. Ich selbst nutze sowohl das Buch als Buch (zu ungefähr 95 Prozent), freue mich aber auch über digitalisierte, sehr alte Bücher, für die man sonst ein diverse Antiquariate durchstöbern müsste um eine Kopie davon zu finden (zum Beispiel große Teile des Werkes von Paul Scheerbart, den ich hart verehre und dessen Werk man digital einfach umsonst bekommen kann).

Ein zweifelsfrei riesiger Nachteil am eBook ist aber, dass man sich die Kopie seines eBooks nicht signieren lassen kann. Aber ich wäre nicht ich, wenn mir nicht UMGEHEND eine Lösung dafür einfallen würde ;-)

Deswegen mache ich jetzt folgendes: Ich werde elektronische Buch-Leseeinheiten signieren, auf denen mindestens eins meiner Werke gespeichert ist. Mit goldenem, weißem oder schwarzem Edding.

Wenn ihr euer Dingens also signiert haben wollt, bringt es entweder mit zu einer meiner Auftritte (hier stehen die) oder ihr schickt mir euer Gerät in einem Luftpolsterumschlag / Karton mit einem Zettel mit eurer Adresse und Rückporto. Ich weiß auch nicht, was mich dazu treibt.

Und nun noch etwas ganz anderes: Nämlich ein Echt-Buch-Leser ist wieder meiner Eröffnungsauffoderung vom Tiere-Buch nachgekommen und hat ein wunderschön unaufgeregtes Küchenvideo vom Lesen des Buches online gestellt:

 

 

Mit folgendem Gedicht (nebst der Aufforderung, Gitarre bei Daniel Sich zu lernen) möchte ich mich bei ihm Bedanken:

 

Ein Vogel stand in aller Frühe

Über Kopf auf seinem Ast

Ausgezehrt von nächtlich Mühe

durch der Jagd nach Würmern Last

 

Fast wär er herab gesprungen

Mit dem Wunsch nach Tod durch Grund

Hättst du ihm nicht ein Lied gesungen

Aus deines wohltu’nd Bardenmund

 

Daniel Sich, du Klampfenprinz

 du meister der Gitarre

hilf weiter Wesen der Provinz

aus ihrer Todwunsch-Starre! 

 

So. Strauß raus.

^5 (Hoch fünf / High Five!)

I am no hustler / Die Erfinder con Comic Sans / CS Homophobia / Duette

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Liebe Artverwandte!

Ich komme gerade von einem äußerst dubiosen Versammlung zurück, nämlich der Internationalen Kulturbörse in Freiburg, wobei ich “Internationalen” groß geschrieben habe, da ich denke, dass es sich um einen Eigennamen handelt, was ich nur erwähne, da mich dann und wann Leute auf Rechtschreibfehler innerhalb meiner Blogeinträge hinweisen. Mir sind diese Rechtschreibfehler eigentlich recht, sie entstehen im Falle des Blogs aufgrund der exorbitanten Geschwindigkeit, mit denen ich diese Beiträge in die Tasten hämmere. So schnell und hart mache ich das, dass häufiger besorgte Nachbarn das Portalgeläut erschallen lassen um zu gucken, ob sie mir eventuell bei Renovierungsarbeiten zur Hand gehen könnten. Da ich mich gerade im Prozess des Schreibens eines Romanes (doppelter Genetiv for the win) befinde, steht glücklicherweise eine Luftmatratze unter meiner Tastatur, welche die Geräusche des Hämmerns (Genitiv, der vom Rechtschreibprogramm als Fehler angezeigt wird) in sanftes Gummiquietschen verwandelt, sodass es hier nicht mehr nach Renovierung sondern nach der unsanften Vergewaltigung einer aufblasbaren Liebespuppe klingt, was ja ganz inspirierend ist, zumal es wieder eine gute Überleitung zur Kulturmesse darstellt.

Bisher war mir nie der Gedanke gekommen, eine Börse mit Kultur in Verbindung zu bringen. Moritz Neumeier bezeichnete die Messe als “Fleischschau für Veranstalter”, womit er etymologisch auch gar nicht so verkehrt ist, wenn man im Hinterkopf behält. dass das Wort Börse vom altgriechischen ????? kommt, was soviel wie abgezogene Tierhaut, bedeutet. Auf der Kulturbörse wird die abgezogene Tierhaut von Künstlern herumgezeigt und zur Miete angeboten, es wird gehustled was das Zeug hält, allerhand Visitenkarten wandern von Hand zu Hand, um ihre Visite in mit anderen Karten prall gefüllten Hosentaschen anzutreten. Ich fand das alles enorm merkwürdig und hatte ein ungutes Gefühl, da ich, so sehr ich mich anstrenge, keinHustler bin und vor allem nicht geschäftsmäßig Lächeln kann. Okay, vielleicht kann ich, wenn ich mich anstrengende, doch ein Hustler sein, aber meine jesamte Innerlischkeit sträubt sich dagegen, derlei Anstrengungen zu unternehmen. Dennoch hatte das ganze Gemurpse ein Paar positive Aspekte. Ich traf viele Freunde, Torsten Sträter schenkte mir einen Hut sowie gute Ratschläge und in Freiburg schien die Sonne. Außerdem machte ich zwei Fotos, die es mir Wert sind, sie mit euch zu teilen

Das erste Zeigt einen Plakatständer in einem Eingangsbereich:

plakat

Ein wunderschöner Plakatständer, der das Erste Gebot für sich neu zu interpretieren haben scheint: “Ich bin der Chef, dein Plakatständer, du sollst keine anderen Plakatständer neben mir haben!” Vielleicht schreibe ich ein Buch mit dem Titel: “An diesem Ort sind Bücher verboten. Bücher werden entfernt.” Es wäre dann sein sehr einsames Buch, aber es bestünde auch nicht die Gefahr, dass es neben einem Buch von Boris Becker Platz nehmen müsste (obwohl Buch hier ja eigentlich ein zu starkes Wort ist und bedrucktes Papiergebinde es besser träfe).

Das zweite Bild, welches in anreichen möchte, ist ein Plakat meiner sehr geschätzten Kollegin Etta Streicher. Sieh her (veraltet für “Guckst du hier”):

ich_esse_eine_AxtWahrscheinlich ist das gerade mein Privathumor, aber ich finde, Etta sollte mit ihrer Tour an Freund Patrick Salmens Erfolg mit “Ich habe eine Axt” anknüpfen und ihr Programm “Ich esse deine Axt” nennen. Und wenn diese Tour ein Erfolg wird, sollte sie für die Folgetour ein Foto nehmen, auf dem viele Sägespäne und der stählerne Schlagkopf der Axt in einer Toilettenschüssel liegen. Vielleicht mit dem Titel “Halb verdaut, weil schlecht gekaut“. Wahrscheinlicher aber sollte ich mit den Versuchen, andere Künstler beraten zu wollen, aufhören, vor allem, wenn sie ohnehin schon so zauberhaft sind, wie eben Etta. 

So. Zurück in die echte Welt. Eine bezaubernde Geheimagentin hat mir ein altes edition suhrkamp-Buch von 1976 zugespielt. In diesem Buch wurde in einem sehr versteckten Winkel einer sehr alten Kneipe gefunden und enthielt einen zusammengefalteten Zeitungsartikel von 1978, was mich dazu veranlasst, das Alter des Buches nicht in Frage zu stellen. Hier kurz ein Foto vom Buch, danach meine daraus gewonnene Erkenntnis:

witzig

Wie wir sehen können, wurde der Buchtitel mit nachträglich mit dem Wort “WITZIG” von Hand beschriftet. Wenn wir die Schrift genauer betrachten, dann hat sie eine verblüffende Ähnlichkeit mit der wahlweise perversen oder postironischen Schriftart Comic_Sans_MS, und das weit bevor es diese Schriftart gab. Dieses legt die Vermutung nah, dass es sich beim Beschrifter um den Erfinder jener Schriftart handelt, weswegen wir jetzt sagen können, dass der Erfinder dieses Typo-Verbrechens definitiv einen merkwürdigen Humor hat, immerhin findet er Weltmarkt, Wirtschaftsrecht und Nationalstaat witzig. Etwas anderes hätte ich nicht erwartet und freue mich, es durch dieses Schriftstück bestätigt zu wissen.

Weiter im Text. Wie im letzten Eintrag bereits erwähnt, bin ich derzeit immer komplett nüchtern unterwegs. Eines der Probleme, die man als vieldenkender Mensch dann hat, ist, dass man seinen Kopf nicht mehr ausgeschaltet bekommt und fast ständig seinen eigenen Gedanken ausgeliefert ist. George Orwell hat ja bereits gesagt, dass ein anständiger Vollrausch wie ein Urlaub fürs Gehirn wäre. Um dennoch zwischendurch meinen Kopf ein bisschen abzuschalten, spiele ich zurzeit vermehrt Counter-Strike Global Offensive. Mir gefällt dabei sehr gut die Mischung aus Feingefühl-Notwendigkeit und Teamplay-Notwendigkeit. Für ein gutes Teamplay ist natürlich Kommunikation notwendig, entweder per Chat oder besser: per Mikrofon. Was mich dann aber häufig ist, dass immer wieder mal gay oder schwul als Schimpfwort fällt, was mich dazu veranlasste zu denken, dass auf den Servern viele Homophobe Menschen befinden. Jetzt gibt es zum seit neustem die Möglichkeit, seine Waffen mit einem Namensschild umzubenennen. Ich habe meine P90 (ein mittelschweres Maschinengewehr, welches ich häufig benutze, wenn ich nicht genügend Geld für eine M4A4 oder AK47 habe) jetzt in “Jizz in ya Face” unbenannt. Diese Waffe hat bei mir ein StatTrak-Feature, bedeutet, es zählt mit, wenn ich damit jemanden töte. Hier kurz ein Bild:

jizz

Wenn ich mit diesem Gerät jetzt einen Gegner erschossen habe, wird ihm Angezeigt: “Establishmensch killd you with jiZz_in_ya_face“. Bisher habe ich 626 potentiell homophobe Personen mit Sperma ins Gesicht getötet, natürlich nur digital, aber immerhin ein gutes Statement.

Wir nähern uns dem Ende, aber zwei Sachen noch. Ich möchte nämlich mein Lieblingsliebeslied teilen. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich das schon mal gemacht hab, aber wenn ja, dann ist mir das egal. Erstmal hier:

 

 

Warum mir das Lied so gut gefällt? Naja, es hat eine positive Ausstrahlung, ist nicht zu glatt, enthält die Formulierung “Sie bauern ihre Welt in Mauern der Moral” und befindet sich auf einem absolut essentiellem Album, welches in keiner Plattensammlung fehlen sollte (wie im Video zu sehen: Punkrock von den goldenen Zitronen). Außerdem ist es ein Duett und ich liebe es (warum auch immer) wenn ein Mann und eine Frau gleichzeitig verschiedene Dinge singen. Anderes Beispiel für geniale Duette dieser Art ist folgendes Lieblingslied:

 

 

Wenn noch jemand fantastische Duette dieser Art kennt, dann freue ich mich über einen Kommentar. Ansonsten noch als letztes:

1. Die Bewerbungsfrist für den Literaturpreis läuft noch

2. Mein Polizeiartikel wird in gedruckt in der Februarausgabe der graswurzel revolution zu finden sein!

 

Love!

Der Not-Hustler

Der Party nicht gedient, dafür Arm in Arm mit Bela B der anderen Party gedient

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 Liebe Bezugsgruppe!

Heute kurz zu zwei Dingen Stellung bezogen. Zunächst das deine: Jüngst meckerte ich nächtlich auf facebook darüber, von den Türstehern des Hauses 73 nicht eingelassen worden zu sein, wo ein SlamkollegInnen, mit denen ich zuvor im Ernst-Deutsch-Theater aufgetreten war, nebst Anhang auf mich warteten. Es gibt im Prinzip zwei Gründe, in Lokale nicht eingelassen zu werden: Unpassendes Äußeres oder “zu besoffen”. Den letzten Grund kann ich zeitweise verstehen. Eine Person, die sich zum Beispiel noch vor einem Vergnügungslokal in Sichtweite der TürsteherInnen übergibt und dann in deren Richtung wankt ist vielleicht nicht wirklich dazu geeignet, sich im inneren des Ladens aufzuhalten. Ich aber kann mit guten Gewissens behaupten, mein letztes Schnapsgetränk am 5. Dezember letzten Jahres zu mir genommen zu haben. Seit dem mache ich eine selbstverordnete Körper- und Kopfregenerationspause. Bleibt also nur Punkt eins: Unpassendes Äußeres. Hier ein Protokoll meiner für den Türsteher sichtbaren Kleidung in Bildform:

 

klamottusdelikti

Zunächst muss ich sagen, dass ich mir für gewöhnlich nichts daraus mache, wenn ich irgendwo wegen Optik nicht reinkomme. Erstens kommt es selten vor, weil ich solche Lokalitäten an sich meide und wenn es, zweitens, doch mal vorkommt, dann bin ich mir sicher, in einen Club nicht zu wollen, der einen Typen wie mich nicht will – denn dann wollen die auch keine andren Typen wie mich, und mit wem soll ich mich dann unterhalten? Bei Haus73 war das aber einfach eine andere Sache. Ich bin dort mindestens fünf Mal beim Slam-The-Pony aufgetreten, hatte dort eine sehr schöne Solo-Lesung, spielte dort ein doomed-Zau-Konzert, eröffnete dort einen Rap-Slam und nicht zuletzt war das Haus73 während der Slam-Meisterschaften 2011 unser Festivalzentrum.

Zum eigentlichen Hergang: Die oben angesprochenen KollegInnen waren schon unten im Haus73, ich war noch ein bisschen in der Superbude zum Telefonieren und weil ich eigentlich vorhatte, zwei Stündchen zu schlafen um dann eventuell schon wieder nach Münster zu fahren. Manchmal brauch man halt zuhause. Da ich nun aber nicht schlafen konnte (zwei Uhr ist keine Zeit für mich) und wegen der massiven Präsenz von Polizeiwannen im erfundenen Gefahrengebiet Schanze (also ich habe 14 Polizeiwannen gezählt, die ständig Autos anhielten) auch nicht fahren wollte (kein Bock auf Polizeikontrollen), bin ich dann den anderen noch ins Haus73 gefolgt, vor dessen Haupteingangstür zwei Türständer standen. Ich grüßte mit “G’n Abend” und wollte an ihnen vorbei gehen, wurde aber zurück gehalten. Folgendes Gespräch, bei dem nur einer der Muskel-Bros sprach, während der andere grimmig grinste:

TS: Du nicht.

Ich: Wie?

TS: Ja nee, passt heute nicht (deutet auf meine Hose).

Ich: Was? (entrüstet)

TS: Ja, nee. Du passt da heute nicht rein.

Ich: Diggi, ich bin hier schon etliche Male als Künstler aufgetreten. Was das Problem?

TS: Ja, nee, heut nich. Kunst ist da oben, da hab ich nichts mit zu tun.

Perplex ging ich dann ein Stück an die Seite und klopfte gegen die Schaufensterscheibe des Ladens, hinter der in Sichtweite mein Rudel saß. Sebastian 23 sah mich und ich deutete ihm an, kurz rauszukommen. Ich sagte ihm, was Phase ist. Wir beschlossen, dass die Gang noch ihre Getränke leert und wir dann gemeinsam die Lokalität wechseln wollten. Da ich niemanden hetzen wollte, sagte ich, sie könnten sich ruhig Zeit lassen. Irgendwann kam ein freundlicher, sehr muskulöser Typ in grünem Jogginganzug mit gelben Streifen und etlichen Tätowierungen aus dem Laden und fragte mich nach Feuer. Wir quatschten kurz über dies und das. Dann sagte der Türsteher nach einer Weile (ich stand schon mindestens eine viertel Stunde vor der Tür):

TS: Den Typen (deutet auf den Jogging-Muskelmann, der sich einige Meter entfernt hat) seh ich hier jeden Tag, da weiß, dass der in Ordnung ist. Der rennt jeden Tag so rum.

Kurz fühle ich mir leicht geschmeichelt, für gefährlicher als der Muskelmann von zuvor zu gelten. Ich reagiere allerdings nicht auf das, was der Türsteher mir gesagt hat. Wieder einige Minuten später:

TS: Geh rein, Bier trinken!

Ich: Nö, jetzt hab ich auch keine Lust mehr. Was issn das für ne Art?

TS: Ey, das liegt ja nicht an mir. Mein Chef will halt nicht, dass da so Leute wie du rumlaufen (ICH MUSS BETONEN, DASS ER GENAU DAS GESAGT HAT)

Ich: Ja, is mir jetzt auch egal.

Danach kommt meine Peergroup aus dem Haus73 und wir gehen noch gemütlich in die Sofa-Bar bis diese schließt.

DIE UNSUMME

Die 73 ist nicht nur eine Hausnummer, sie steht für Unterschiede, die unter einem Dach zusammen leben. Harmonie ist schön, Vielfalt viel schöner. In der 73 inszenieren Theaterensembles neue Stücke und grölen Fußballfans für alte Vereine, hier spielen zarte Violinen und dröhnen Bass-Beats. Wir würdigen hohes Brauhandwerk und exen am Kickertisch Knollen. Wir lieben feine Backkunst und belegen derbe Stullen. Kultur oder Subkultur? Ja, bitte.

Das oben steht auf der Homepage und wirkt auf mich im Nachhinein wie Realsatire. Im Nachhinein hat sich bei facebook einer der neuen Betreiber des Haus73 gemeldet. Er schreibt, dass es für Abweisungen aufgrund von Äußerlichkeiten definitiv keine Anweisungen gäbe und er diese Form der Türwillkür selbst extrem ätzend fände. Zudem läd er mich im Haus73 mal auf ein Getränk ein um dem ganzen eine zweite Chance zu geben.

Nun steht natürlich Aussage gegen Aussage. Hat der Türsteher gelogen, als er sagte, dass sein Chef keine wie Menschen wie mich in seinem Laden wolle um sein Gesicht zu wahren oder will hat der Betreiber, der von einem durch mich ausgelöstem Shitstorm (irgendwo hörte ich Kotgewitter sei die korrekte Übersetzung, auch wenn ich AA-Tornado auch gut finde) einen Imageschaden von seinem Laden abwenden? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Allerdings ist Hamburg auch groß genug, dass es für mich nicht unbedingt notwendig erscheint, mir ein zweites Bild zu machen, denn echte Subkultur ist in Hamburg trotz Hardcore-Gentifizierung der Schanze (witzig eigentlich, dass man Gentrifizierungsziel#1 zur Gefahrenzone erklärt) noch genügend Orte, für Jogginghosen-Style-Subkultur. Gerne würde ich noch ein Fazit ziehen, aber vielleicht sind dieser erste Teil dieses Beitrags auch Schrammen im Krönchen einer Diva, die sie zu lackieren versucht :-)    (ich benutze ja selten Smilies, aber hier erscheint mir einer sinnvoll).

Nun aber zu etwas erfreulichem. Ich erhielt Ende letzten Jahres eine sehr schöne Anfrage der Band PASCOW, in der es darum ging, einen Beitrag zur Limited Edition ihres neuen Albums “Diene der Party” zu leisten. Das ganze funktionierte so, dass die duften Saarländer Punkerjungs verschiedenen Bandbekannten jeweiels einen Titelnamen des Albums gaben und dieser dann eine Geschichte dazu schreibt, ohne den Song gehört zu haben (mein Titel war Lettre Noire). Nun gibt es ein Veröffentlichungsdatum für die Scheibe und ich kann es kaum erwarten, die Box in meinen Händen zu halten. Für das Büchlein mit den Geschichten welches dabei ist, haben unter anderen Literaturkollegen wie Dirk Bernemann, Jan Off aber auch Deutschpunkgrößen wie Bela B. ihre Feder geschwungen. Ja mann! Bela B.! Ehemaliger Beschäler von Charlotte Roche und im stehen trommelnder Powerzwegen-Vampir! Rrrrrrr…. Vorab angucken und bestellen kann man dat Dingen hier.

Wenn du Pascow nicht kennst, dann hier nochmal mein persönliches Lieblingslied der Kapelle:

 

 

So. Was sonst noch? Ach ja! Mein Literaturpreis ist noch aktuell und sucht noch BewerberInnen und ich habe eine wunderschöne Rezension zu meinem Buch “Kuck dir die Tiere an, wie glücklich die immer sind” in der Titanic bekommen, in der ich mich sehr verstanden fühle und die damit wieder einmal mehr beweist, was für fähige Leute in der dortigen Redaktion sitzen. Zu lesen gibts die in der Januar Print oder, wo du ja gerade eh im Internet bist, auch hier.

High Five,

Andy

Ein Preis! Ein Preis!

am by Establishmensch in Shizzle-Preis | Kommentieren?  

haa

Hallo Wesen, welches sich auf diese Homepage verirrt hat!

Da 2014 mein Jahr der Problemlösungen sein wird (siehe letzter Beitrag), möchte ich heute Problem Nummer 2 angehen.  Und zwar folgendes: Ich habe noch nie einen Literaturpreis/Literaturstipendium bekommen.

Das Problem ist vermutlich, dass Menschen in Jurys »meinen Style nicht diggen«, was ja okay ist. Ich gehe ja auch nicht auf Konzerte von Andrea Berg und lese keine Bücher von Tommy Jaud, man muss ja nicht alles mögen. Und eine Literatur-Preis-Jury ist eben keine Andy-Strauß-Lesung.

Das eigentliche Problem aber ist wohl, dass ich möchte, dass Menschen für Dinge, die mir gefallen, einen Literaturpreis bekommen. Weswegen ich hiermit jetzt (Trommelwirbel, AK47-Schüße in den Himmel, stolpernder Clown) selbst einen Literaturpreis auslobe! Ganz offiziell! Ich nenne ihn:

Den Andy-Strauß-Preis für abgefahrenen Shizzle!

Hier die Formalitäten:

1. Woraus besteht der Preis?

Der 1. Preis ist dotiert auf 66.666 Ungarische Forint (HUF). Das Preisgeld wird bar in Schweizer Franken (ca. 275 CHF) ausbezahlt, bzw. als Einschreiben verschickt.

Der 2. Preis ist ein zufälliger Gegenstand aus meiner Wohnung, den ich mit einem Edding bemalen werde. Beispielfoto unbemalter Gegenstand:

preis

Der 3. Preis ist ein Bücherpaket vom unsichtbar-Verlag.

Die drei Erstplatzierten erhalten eine hässliche, mit WordArt gestaltete Urkunde. Eventuell und nach Rücksprache mit den jeweiligen Autor_Innen werden die besten Beiträge zudem in einer Anthologie im Unsichtbar-Verlag erscheinen.

 

2. Wer kann mitmachen?

Zunächst kann jeder Mensch mitmachen. Ausnahmen sind Altnazis, Neonazis und Nationalisten. Zudem darf ein_e Bewerber_In noch keinen anderen Literaturpreis gewonnen haben (das wird nicht nachgeprüft, die reine Behauptung reicht).

 

3. Wie bewerbe ich mich?

Eine Bewerbung auf den Andy-Strauß-Preis für abgefahrenen Shizzle ist nur per E-Mail an 66666forint@gmx.de möglich. Der eingereichte Text darf maximal 7777 Zeichen (inklusive Leerzeichen) lang sein. Der Betreff der Mail muss Shizzle lauten, gefolgt von einem persönlichen, 6-stelligen Kennwort bestehend aus Zahlen und Buchstaben. Der Text muss sich in einer Text-Datei (.txt) im Anhang befinden, andere Dateiformate werden nicht akzeptiert (»Text still rules« – The Cyphernomicon). Die .txt-Datei muss nach dem Kennwort in der Mail benannt werden. Beispiel:

Betreff: Shizzle b67kna / Anhang: b67kna.txt

Der Einsendeschluss für Texte ist der 30.03.2014, die Nennung der Gewinnenden erfolgt spätestens am 05.,05.2014. Die Jury bin ich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

So. Dann mal an die Tasten, Geschwister!

Warum ich neulich tierisch sauer war, dann kurz geweint habe und wie ich damit umgehe

am by Establishmensch in Ordnungsland | 1 Kommentar

Am zweiten Weihnachtsfeiertag war es wieder so weit.

Ich war über die Tage bei meinen Eltern gewesen und wollte gerade meine Heimatstadt verlassen, als mich ein weihnachtlicher Schlitten Babylons mit blauem Geblink darum bat, mein Kraftfahrzeug zum stoppen zu bringen. Nach Kontrolle meines Führer- und Fahrzeugscheines wurde mir dann ein auffälliges Verhalten (Lidzucken – ich habe ein defektes, linkes Auge + Zittern – Polizeikontrollen machen mich nervös) unterstellt. Das ganze, folgende Prozedere möchte ich abkürzen, jedenfalls wurde ich nach einiger Diskussion mit auf die Wache genommen um dort einen Urintest zu machen. Den hätte ich verweigern können (was ich jedem empfehle, der homöopatischer Drogenkonsument ist, denn ein Urintest reagiert auf die wesentlich länger nachweisbaren Abbauprodukte illegaler Substanzen während ein Bluttest lediglich die gerade noch aktiven Substanzen ermittelt), dann allerdings hätte ein Staatsanwalt einen Bluttest angeordnet. Da ich Zeit sparen wollte, mir über die Drogenfreiheit meines Urins zu jedem Zeitpunkt gewiss sein kann und Angst vor Nadeln habe (mir wurde mal Zwangs-blut-abgenommen, mit verdrehtem Arm auf dem Rücken und einem Polizistenbein im Gesicht) was das für mich die gemütlichere, wenn auch nicht weniger erniedrigende Alternative.

Selbstverständliche war die Urinprobe (die ich mit dem Wort “Prost” einem der Polizisten reichte) sauber. Trotzdem finde ich den ständigen Verdacht gegenüber Leuten, die aussehen wie ich, mehr als zum kotzen. Ich kenne Menschen, die einen Kokskonsum an den Tag legen, der eine Vierköpfige Familie versorgen könnte, die aber immer geleckt ihren Anzug tragen und nie kontrolliert werden. Jedenfalls möchte ich, dass das aufhört und sich gleichzeitig mich optisch nicht verändern, weswegen ich im Januar dieses Plakat an möglichst viele Polizeidienststellen mailen/schicken/faxen werde:

wanted

Guten Rutsch!

Dirty Mind und gefährliches Halbwissen _ zwei Anekdoten

am by Establishmensch in Allgemein | Kommentieren?  

Heute

(/edit: und damit meine ich neulich, da ich diesen Eintrag erst jetzt ins Netz stelle, ihn aber schon vor etwas mehr als einer Woche geschrieben habe)

saß ich in einem Fernverkehrszug der Bahn und wie so oft wenn man das tut, kam ein tüchtiger Gesell mit seinem mobilen Rollsupermarkt durch das Abteil gewandert um seine Produkte feilzubieten. Jeder dieser auf doppelte Weise fahrenden Händler hat ja so seine eigene Art, seine Produkte anzupreisen. Manch einer brüllt regelrecht: »Kaffee! Lecker lecker Kaffee!«, was besonders viel Erfolg verspricht, wenn der Zug gerade zum bersten gefüllt ist. Sitzt man eher in Zügen mit weniger Auslastung und vielen freien Sitzplätzen, trifft man gerne mal auf die Spezies von Rollverkäufern, die ihre Wagen lautlos hinter sich her ziehen, sich zaghaft von hinten an deinen Sitz schleichen um dann wie aus dem Nichts ihr Gesicht vor deinem Gesicht erscheinen zu lassen und lustvoll: »Na? Süssischkeiten jewünscht?« zu raunen.  Diese Schleicher sind mittlerweile fast die einzigen, die ich noch mitbekommen. Der Grund dafür liegt darin, dass ich wirklich viel auf dem Gleispony unterwegs und man sich an die Schreie jener Reise-Tante-Emmas gewöhnt wie an das Ticken einer Uhr, sodass man sie irgendwann nicht mehr hört. Verstärkt wird das dadurch, dass ich die, von den Einmanneinzelhandelspersonen betriebenen, Dienstleistung nahezu niemals nutze, was der miserablen Qualität des Kaffees sowie der Höhe der Preise jeglicher Produkte geschuldet ist. Wie viel lieber habe ich doch ein gutes, zu Hause angefertigtes Butterbrot im Butterbrotfach meines Ranzens, wie viel besser schmeckt doch der Kaffee, mit dem man sich in verschiedenen Bäckereien am Abfahrtsort bestücken kann. Völlig egal, wie chaotisch man eine Reise antritt, versorgen sollte man sich entweder noch vor Reiseantritt oder sich für die Dauer der Strecke im Fasten üben, wobei ich jetzt auch niemandem den Kaffee der treuen Gleisgeschäftsgenossen verhageln möchte. Sicher, manchmal und zu besonders früher Stund mit vorheriger besonders langer Nacht rettet dieses Geplörr bestimmt auch das ein oder andere Leben, doch aus der Sicht von Geschmacksknospen sollte diese Suppe nicht gelöffelt werden. Wenn du jetzt aber ein großer Fan von gerade diesem Kaffee bist, dann soll mir das auch recht sein, ich kenne auch Leute, die lutschen genussvoll einen Brühwürfel bevor sie sich zu Bette begeben, ich wollte ja auch nur erklärt haben, warum ich die DB-Dinge-Dealer nicht mehr wirklich wahrnehme, wenn sie sich selbst durch die Flure der Züge wuppen. Jetzt gerade aber, und ich schreibe diese Zeilen, während ich immer noch im Zug sitze (BEWEISFOTO)

// EDIT 2015: DAS BEWEISFOTO IST BEIM GROßEN DATENVERLUST 2015 DRAUF GEGANGEN
kam hier ein Travel-Tresen-Barkeeper vorbei gerollt, der mich schockierte. Denn wie die meisten seiner Art hatte ich seine Anwesenheit gar nicht mitbekommen. Ich hörte es nur plötzlich lüstern fragen: »Sandwich, Vollkornschnittchen?«

Diese Kombination von Worten alarmierte plötzlich mein Gehirn. Jeder kennt diese Bilder, in denen jedes Kind nur einen Klumpatsch von Delfinen sieht, während das sexuell geprägte Gehirn von ausgereiften Personen in erster Line nackige Personen wahrnimmt, quasi der Beweis dafür, dass das Gehirn sich im Laufe der Zeit hauptsächlich auf das Erkennen sexueller Reize spezialisiert.

(Edit: Habe recherchiert, dass das Bild von Sandro Del Prete ist, man kann es hier noch mal angucken…)

Als ich nun »Sandwich, Vollkornschnittchen?« hörte, nahm ich plötzlich seit langem mal wieder einen Zugverkäufer wahr, denn mein Gehirn machte mich darauf aufmerksam, dass gerade irgendwer einer Person mit ökologisch geprägten Ansichten (Vollkornschnittchen) einen Dreier (Sandwich) angeboten hätte. Dass er tatsächlich nur zwei verschiedene Brotspeisen anbieten wollte, wurde mir erst nach ein paar Bruchsekunden des Selbsträsonierens bewusst.

Nun, welch Fazit mögen wir daraus ziehen, außer erneut festzustellen, dass Menschen gemeinhin ihrem Selbsterhaltungstrieb zu folgen geneigt sind?

Vielleicht, dass wir nicht vergessen sollten, dass Menschen mehr Tier sind, als viele sich das eingestehen. Und dann vielleicht auch, dass ein Zug nichts weiteres ist, als ein Tiertransporter, welches Lebewesen durch die Welt kutschiert, die alle an sich andere Ziele haben, im Endeffekt aber doch nur das selbe wollen – Wärme, Nähe und Nahrung. Und vielleicht, dass ein Sandwich quasi die Kinderüberraschung  für Erwachsene ist, denn je nach Sichtweise erfüllt kann es eben all die drei Wünsche erfüllen.

Auf jeden Fall hat es mich überrascht, dass ich mich selbst auch mit Vollkornschnittchen angesprochen fühlen würde und das Wort eigentlich ganz nett finde, besser zumindest, als Toastbrot.

(/edit: und das ab jetzt schreibe ich wie die edits neu heute dazu)

Apropos Worte. Eine kleine Anekdote bevor dieser Beitrag dich endlich wieder in Ruhe lässt. Neulich hatte ich einen Auftritt in Berlin. Unter den dort Auftretenden waren auch einige nicht Deutsch-Muttersprachler. Diese Szene spielte sich in den Katakomben des Admiralspalast ab, wo ich gerade vom Rauchen kam und einen britischen Künstler traf:

Brite: Entschuldigung! The German word for Exit is Ausgang, isn’t it?

Andy: Yes, indeed it is! Why do you want to know?

Brite: Because i want to smoke…

Andy: Then you just need to go through that door  (/ich deute auf die Tür, durch die ich gerade gekommen bin)

Brite: I’ve been told so, but that is NOT-AUSGANG…

Man stelle sich dieses Wissen vor in einer Situation, in der es brennt. Halbwissen ist also doch gefährlicher, als ich dachte.

So. Jetzt verdaue ich ein bisschen die wundervollen Slam-Meisterschaften, von denen ich die Tage mehr berichten werde. Und von einem wunderschönen Buch über Tocotronic.

High Five,

Andy

Life-Hack gegen Autolangeweile

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headautobahn

Kurz ein Danke vorweg. Nämlich für dieses Wochenende. Nicht nur, dass ich zwei unglaublich schöne Auftritte machen konnte (1. Moderation als Pilot auf einem Boot über dem Aa-See, Presseberichte hier und hier und 2. eine richtig schöne Lesung vor 270 fantastischen Leuten in einem Spiegelzelt in Siegen), viel wichtiger für mein Wohlbefinden ist, das an Münster gerade das anders ist, was ich am meisten bemängele: Die Abwesenheit von mir wichtigen Leuten, die irgendwann aus Münster weg gezogen sind. Davon waren nämlich an diesem Wochenende viele in Münster, einige sind immer noch da und essen gerade Frühstück auf meinem Sofa. Danke Welt für diesen Umstand. Ich werde die noch verbliebenen Leute einfach anketten.

Im letzten Artikel habe ich ja geschrieben, wie ich mir Zugfahrten vertreibe. Da ich im Moment aber meistens mit der Karre unterwegs bin und auch dabei gerne spiele, erkläre ich das Autofahrspiel, welches ich mir ausgedacht habe und dem ich derzeit fröne. Ich nenne es Drum-and-Bass-Hero. Es ist eine Art Real-Life-Guitar-Hero, auch wenn das irgendwie schwachsinnig klingt, denn eigentlich ist das Spielen einer Gitarre das echte Real-Life-Guitar-Hero. Meine Autofahrversion jedenfalls funktioniert so:

Zuerst macht man ein Musikstück der Wahl an. Dann konzentriert man sich auf die Schlagzahl des Liedes (BPM) und versucht so zu fahren, dass mit jedem Schlag ein weißer Streifen der Leitlinie unter dem Auto verschwindet. Da ich gerne schnell fahre und deswegen auf Drum-and-Bass angewiesen bin, habe das Spiel danach benannt. Die Zeit jedenfalls vergeht dabei wie im Flug.

Das war mein Beitrag. Für alle, die denken, dass Mathe ein Arschloch sei, ist der Beitrag hier vorbei. Für alle anderen gibt es noch einen kleinen mathematischen Exkurs zu Liedern und den Geschwindigkeiten, die man dazu fahren muss.

Also:

Ein Streifen ist 6 Meter lang, dann gibt es einen Abstand von 12 Meter. Insgesamt verschwindet also alle 18 Meter ein Streifen unter dem Auto.

Nehmen wir jetzt einen Standard-Pop Song mit 120BPM , dann wollen wir in einer Minute 120 Mal 18 Meter, also 2160 Meter pro Minute. Hochgerechnet auf eine Stunde muss man also  129600 Meter pro Stunde, also 129,6 kmh Fahren.

Jede andere Geschwindigkeit errechnen wir also mit der Formel BPM*18*60/1000 oder gekürztBPM*1,08=Zielgeschwindigkeit

Wenn man also Cheaten und seinen Tempomat auf 190 stellen, muss man genügend Songs mit 175,9 BPM finden, also circa die Mitte der D’n’B-Range, die sich irgendwo zwischen 160 und 190 BPM bewegt.

Als LKW-Fahrer lässt es sich übrigens ganz gut mit HipHop und seinen üblichen 80-100 BPM spielen.

Gute Fahrt!

 

Dont cry for me, Arschsau

am by Establishmensch in Gameing | Kommentieren?  

ffheadAnd now for something ganz anderes…

Wenn man seinen Lebensunterhalt zum Großteil als Reisepoet bestreit, dann kommt es häufig vor, dass man Strecken abreißt, die logistisch völlig hanebüchen sind. Zum Beispiel dieses: Gestern hatte ich einen Auftritt in der Schauburg in Dresden, ohne vorher einen Auftritt in der Nähe gehabt zu haben und heute Abend darf ich in Münster eine wundervolle Bootsfahrt als Stewardess und Pilot begleiten. Da der Auftritt in Dresden ein Slam-Auftritt war, bei dem ich zwei Mal lesen konnte, bin ich für 12 Minuten Zeit auf der Bühne insgesamt 13 Stunden Netto + 1 Stunde Verspätung = 14 Stunden Brutto mit dem Zug unterwegs gewesen. 14 Stunden sind eine Lange Zeit.

Natürlich kann man in dieser Zeit schön was lesen, aber wenn man gerade keine gute Lektüre hat, dann reicht die Tageszeitung vielleicht gerade mal für 1 Stunde pro Strecke. Und da ein großer Teil meiner Erziehung von einem ATARI 2600, einem Commodore C64, einem Gameboy, einem NES einem SNES, einer Playstation 1, einer Playstation 2 und mehreren Computern übernommen wurde, spiele ich logischerweise Computerspiele.

Die letzten drei Monate war ich diesbezüglich auch sehr gut beschäftigt, denn ich spielte ein Spiel mit dem unglaublich dämlichen Titel »10000000« (in Worten »zehn Millionen«). Das Spiel gab es irgendwann einen Tag lang umsonst in einem Drittanbieter-Appstore und hielt mich ziemlich gefesselt. Es handelt sich bei dem Spiel um eines von den vielen, in dem man ein Spielfeld hat, auf dem man durch Schieben mindestens drei gleiche Symbole in eine Reihe bringen muss, damit diese verschwinden und so weiter. Der Clou an 10000000 aber ist, dass es gleichzeitig ein Adventure-Game ist, denn oben im Bildschirmrand rennt ein Typ durch die Gegend und Trifft auf Zombies, Drachen, Mumien, Türen und Schatzkisten. Trifft man auf eines dieser Dinge muss man bei Gegnern Waffen in die richtige Reihe bringen um den Gegner zu verkloppen oder Schlüssel, um Truhen zu öffnen. Dann muss man noch mit Schildern seine Rüstung in Ordnung halten und Ressourcen sowie Erfahrung sammeln, um bessere Waffen, derbere Moves und den üblichen Klimbim freizuschalten, dazu gibt es wunderschöne Pixelgrafik und eingängige 8-Bit-Mukke. Eigentlich beginnt das Spiel wie der Film »The Cube«, nur ganz anders. Ein Typ wacht in einem Verließ in einem Bett auf. Natürlich hat man keinen Plan, warum. In diesem Verließ sind viele Türen, die sich erst im späteren Verlauf betreten kann (wenn man genügend Ressourcen gesammelt hat) und dann noch eine Tür in den Dungeon, wo sich das eigentliche, oben beschriebene Spiel befindet, also das, wo man die Symbole schiebt. Eine Runde im Dungeon endet, wenn man die Gegnerz nicht schnell genug weggekloppt bekommt oder zu lange eine Schatztruhe nicht aufbekommt. Dabei sammelt man Punkte für Zeit, die man überlebt, für besiegte Unholde und so. Jedenfalls ist es das Ziel des Spieles, einen Lauf durch den Kerker zu machen und damit mehr als 10000000 Punkte zu erreichen um wieder in die Freiheit zu kommen.

Als alter »3-in-a-Row-Game-Profi« hab ich das natürlich am ersten Tag geschafft. Dann aber habe ich meinem Homie Tom (der mir das Spiel empfohlen hatte) geschrieben, wer wohl zuerst die 30000000 schafft und naja, Tom meinte dann: unmöglich. Herausforderung genug. Letzte Woche habe ich es jedenfalls geschafft. Beweis:

highscore

Nun ja, jetzt ist das Spiel für mich aber auch durch für mich. Da ich aber eine Aufgabe für den Zug brauchte, shoppte ich mir bei Steam ein aktuelles Re-Release eines meiner Lieblingsspiele, nämlich Final Fantasy VII. Als ich es damals Ende der Neunziger auf Playstation spielte, verbrachte ich mindestens 100 Stunden damit, jeden Quadratzentimeter Spielwelt zu durchforsten. Die Story ist aber auch einfach zu episch: Sie beginnt damit, dass man mit einer kleiner Gruppe Umweltterroristen einen Reaktor sprengt, welcher dem Planeten die Mako-Energie aussaugt. Man kämpft gegen einen übermächtigen Konzern namens Shinra, hat blonde, superstruppige Haare und ein riesiges Schwert. Ich möchte hier gar nicht mehr so viel über das Spiel an sich schreiben, denn mir ist aufgefallen, wie viel ich da oben gerade über ein so wenig komplexes Spiel wie 10000000 geschrieben habe. Würde ich das mit Final Fantasy VII genauso machen, könnte ich noch zwei Wochen weiterschreiben, weswegen ich mich auf den Hauptpunkt beschränke:

Was Final Fantasy VII für mich so besonders gemacht hat, ist, dass es das erste (und ich glaube auch: letzte) Spiel war, dass mich wirklich ganz bitterlich zum Heulen gebracht hat. Dazu muss man wissen, dass ich den Helden, der eigentlich Cloud heißt, damals selbstverständlich Andy genannt habe und dass ich eine der weiblichen Protagonistinnen nach meiner damaligen Traumfrau benannt hatte (den Namen schreibe ich jetzt nicht). Irgendwann im Laufe der superspannenden Geschichte, wenn einem die Spielfiguren schon so richtig hart ans Herz gewachsen sind, stirbt eben jene! Was habe ich geheult!

Als ich jetzt gestern im Zug mit der PC-Version angefangen habe, habe ich den Helden wieder Andy genannt. Logisch. Um dem emotionalen Zusammenbruch dieses Mal vorzubeugen, habe ich das Blumenmädchen aber nicht nach meinem (BRAVOspeech) SCHWARM (/BRAVOspeech) benannt.

blumenmaedchen

Ich hoffe, dass ich nicht heulen muss, wenn Arschsau stirbt.

Medientheorie am Fall Snowden

am by Establishmensch in Allgemein | Kommentieren?  

snowden

Derzeit ist Edward Snowden in aller Munde. Warum muss ich hier gar nicht weiter erklären, denn dass er in aller Munde ist, heißt ja, dass er auch bereits in aller Köpfe ist, denn der Mund  ist ein ESSENtieller Bestandteil des Kopfes. Es ist kaum möglich, die Artikel über Snowdnes Mediengesuchsgemauschel zu zählen. In diesem kleinen Artikel möchte ich der Frage nachgehen, warum dem so ist, bzw. dem so sein könnte.

Unumstößlich ist natürlich die politische Brisanz des übergeordneten Themas, welches da lautet, dass die USA und GB die Welt, ob nun Freund und Fein, in großem Maße digital ausspionieren. Das ist ein wichtiges Thema, welches aber einen weiterdenkenden Menschen nicht sonderlich überraschen sollte. Wo ein Weg besteht, Informationen zu welchem Zwecke auch immer zu sammeln, da gibt es auch jemanden, der diesen Weg zu seinem Vorteil beschreitet. Menschenrechte auf diesem Gebiet werden durch subversive Manipulation irgendwann ein historisches Konstrukt sein, welches zukünftige Herrscher müde belächeln werden. Ob sich die globale Gemeinschaft dessen irgendwann bewusst wird ist abzuwarten.

Edward Snowden ist jetzt eine Art Martyrer mit einem Sprengstoffgürtel aus Informationen, der schon längst explodiert ist. Für die Amerikanische Regierung ist er durch diese Explosion als Mensch zerfetzt, nun sollen seine Knochen aufgesammelt und mahnend öffentlich drapiert werden. Da sich aber viele Menschen weltweit einig sind, dass Snowden das Richtige getan hat, wollen sie ihren Informations-Befreier natürlich nicht hergeben. Selbstverständlich bin ich auch der Meinung, dass Snowden ein freier Mann bleiben soll. Am liebsten würde ich ihm in meiner Wohnung Asyl geben, weswegen ich ihn auf dem Bild oben auch direkt mal in mein Schlafzimmer montiert habe.

Warum nun aber wird in den Medien mehr darüber berichtet, was mit Snowden passiert als darüber, wie man jetzt mit GB und den USA umgehen sollte? Hier kommt meine eigentliche Idee, die ich hatte und weswegen ich diesen Artikel überhaupt schreibe. Es handelt sich hier um einen Markt-Kampf. Natürlich leben Medien davon, konsumiert zu werden. Und was ist derzeit spannender, als ein realer Agenthriller mit globalen Auswirkungen um einen wirklich hübschen und smarten Märtyer und seiner ungewissen Reise durch eine Welt voller Freunde und Feine? Das ganze liest sich natürlich spannender als trockene Aussagen gelangweilter, weil vermutlich schon länngst mitwissender PolitikerInnen. Das Mann-beisst-Hund-Prinzip. Und natürlich ist das Medieninteresse um Snowden gut, denn so wird es für die NSA schwieriger, Snowden einfach und plötzlich verschwinden zu lassen. Aber der Fokus des übergeordneten Themas droht ein bisschen zu verschwimmen.

Ansonsten kann ich jede(r/m) nur raten, selbst zu einem Snowden zu werden und immer dann den Mund aufzumachen, wenn man ein Unrecht vermutet.

PS: Hab ich jetzt USA-Einreiseverbot?